Das Wichtigste in Kürze
- Ein vollständiger Finanzplan umfasst Investitions- und Abschreibungsplan, Kapitalbedarfsplan, Umsatz- und Kostenplanung, Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplan und Finanzierungsplan.
- Die Rentabilitätsvorschau wird üblicherweise für drei Jahre erstellt, der Liquiditätsplan im ersten Jahr Monat für Monat.
- Gewinn und Liquidität sind nicht dasselbe: Ein Unternehmen kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem in einzelnen Monaten seine Rechnungen nicht bezahlen können.
- Bei Einzelunternehmen sind Privatentnahmen kein Aufwand, deshalb muss der Gewinn die Lebenshaltung, die Einkommensteuer und die Tilgung von Krediten decken.
- Jede Zahl im Finanzplan braucht eine nachvollziehbare Annahme, zum Beispiel Menge mal Preis, ein Angebot oder einen Mietvertrag.
Welche Teile gehören in einen Finanzplan?
Jeder Teilplan beantwortet eine eigene Frage. Wichtig ist, dass die Zahlen überall übereinstimmen: Was im Investitionsplan steht, taucht als Abschreibung in der Rentabilitätsvorschau und als Auszahlung im Liquiditätsplan wieder auf.
| Teilplan | Beantwortet die Frage | Zeitraum |
|---|---|---|
| Investitions- und Abschreibungsplan | Was musst Du anschaffen, und wie verteilt sich der Wertverlust auf die Jahre? | Start, Abschreibung über die Nutzungsdauer |
| Kapitalbedarfsplan | Wie viel Geld brauchst Du insgesamt, bis das Unternehmen sich selbst trägt? | Gründung und Anlaufphase |
| Umsatz- und Kostenplanung | Was verkaufst Du zu welchem Preis, und welche Kosten entstehen? | drei Jahre |
| Rentabilitätsvorschau (Plan-GuV) | Macht das Unternehmen Gewinn? | drei Jahre |
| Liquiditätsplan | Reicht das Geld auf dem Konto in jedem einzelnen Monat? | erstes Jahr monatlich, danach quartalsweise oder jährlich |
| Finanzierungsplan | Woher kommt das Geld: Eigenkapital, Darlehen oder Zuschüsse? | Gründung |
Die Tabellen legst Du als Anlage bei, die Erläuterungen gehören in das Kapitel Finanzplanung. Wo es im Gesamtaufbau steht, zeigt die Gliederung eines Businessplans.
In welcher Reihenfolge rechnest Du den Finanzplan?
Investitionen sammeln
Liste alles auf, was Du vor dem Start anschaffen musst, und hole Angebote ein. Ordne jedem Gut eine Nutzungsdauer zu; Orientierung geben die amtlichen AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums.
Umsatz herleiten
Rechne Menge mal Preis, zum Beispiel Stunden mal Stundensatz oder Gäste mal Durchschnittsbon. Plane eine Anlaufphase ein, in der die Umsätze erst wachsen.
Kosten planen
Trenne variable Kosten wie den Wareneinsatz von Fixkosten wie Miete, Versicherungen, Software und Steuerberatung.
Rentabilitätsvorschau aufstellen
Ziehe Kosten, Abschreibungen und Zinsen vom Umsatz ab. Das Ergebnis ist der Gewinn vor Steuern für Jahr 1 bis 3.
Liquidität Monat für Monat prüfen
Trage alle Ein- und Auszahlungen in den Monat ein, in dem sie tatsächlich fließen, einschließlich Privatentnahmen, Tilgung und Umsatzsteuer.
Kapitalbedarf und Finanzierung festlegen
Der tiefste Kontostand im Liquiditätsplan ohne Finanzierung plus eine Reserve ergibt Deinen Kapitalbedarf. Danach planst Du die Geldquellen.
Wie berechnest Du Kapitalbedarf und Finanzierung?
Der Kapitalbedarf ist mehr als die Summe der Anschaffungen. Dazu gehören die Gründungskosten, ein erstes Warenlager, die Anlaufkosten der ersten Monate, in denen die Einnahmen die Ausgaben noch nicht decken, und eine Liquiditätsreserve für Unvorhergesehenes.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Werkzeug und Montageständer | 12.000 |
| Ladeneinrichtung | 8.000 |
| Laptop und Kassensystem | 2.000 |
| Gründungskosten (Anmeldungen, Beratung, Versicherungen bis zum Start) | 1.500 |
| Erstausstattung Ersatzteillager | 6.000 |
| Anlaufkosten der ersten drei Monate | 9.000 |
| Liquiditätsreserve | 6.500 |
| Kapitalbedarf gesamt | 45.000 |
Im Finanzierungsplan stellst Du diesem Betrag die Geldquellen gegenüber: Eigenkapital, Förderdarlehen (meist über die Hausbank beantragt), Bankkredit und Zuschüsse. Im Beispiel stammen 10.000 Euro aus Eigenkapital und 35.000 Euro aus einem Förderdarlehen.
Ein bewilligter Gründungszuschuss dient laut § 93 SGB III der Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Sicherung nach der Gründung. Er gehört deshalb vor allem in Deine private Rechnung und nicht in die Finanzierung von Investitionen. Beim Einstiegsgeld kann das Jobcenter nach § 16c SGB II zusätzlich Zuschüsse oder Darlehen für notwendige Sachgüter gewähren; ein Zuschuss bis 5.000 Euro ist möglich.
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Wie sieht eine Rentabilitätsvorschau über drei Jahre aus?
Die Rentabilitätsvorschau, auch Plan-GuV genannt, stellt Umsätze und Aufwendungen je Jahr gegenüber. Abschreibungen und Zinsen gehören hinein, Tilgung und Privatentnahmen nicht. Die Tabelle setzt das Beispiel der Fahrradwerkstatt fort.
| Position | Jahr 1 | Jahr 2 | Jahr 3 |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 120.000 | 150.000 | 170.000 |
| Wareneinsatz (40 Prozent) | 48.000 | 60.000 | 68.000 |
| Rohertrag | 72.000 | 90.000 | 102.000 |
| Personal (Aushilfe) | 6.000 | 12.000 | 15.000 |
| Miete und Nebenkosten | 18.000 | 18.000 | 18.000 |
| Marketing, Versicherungen, Sonstiges | 13.000 | 12.000 | 12.500 |
| Abschreibungen | 3.600 | 3.600 | 3.600 |
| Zinsen | 1.400 | 1.400 | 1.200 |
| Gewinn vor Steuern | 30.000 | 43.000 | 51.700 |
Der Umsatz steigt, weil die Werkstatt erst bekannt werden muss. Ob 30.000 Euro Gewinn im ersten Jahr reichen, zeigt erst der Abgleich mit Privatentnahmen und Steuern weiter unten. Ein durchgängiges Beispiel mit Text und Zahlen findest Du im Businessplan Beispiel.
Warum ist Gewinn nicht gleich Liquidität?
Gewinn ist eine Rechengröße über ein ganzes Jahr, Liquidität ist das Geld, das heute auf dem Konto liegt. Beides läuft aus mehreren Gründen auseinander:
- Investitionen: Das Geld fließt sofort ab, in der Rentabilitätsvorschau erscheint nur die jährliche Abschreibung.
- Tilgung: Die Rückzahlung eines Kredits belastet das Konto, ist aber kein Aufwand.
- Privatentnahmen: Was Du für Dich entnimmst, mindert den Kontostand, nicht den Gewinn.
- Zahlungsziele: Kundschaft zahlt oft erst Wochen nach der Rechnung, Lieferanten wollen früher Geld.
- Umsatzsteuer: Sie kommt mit der Zahlung Deiner Kundschaft herein und geht mit der Voranmeldung an das Finanzamt; Vorsteuer auf Investitionen bekommst Du erst später erstattet.
- Saison: Viele Branchen haben starke und schwache Monate.
Deshalb rechnest Du den Liquiditätsplan im ersten Jahr monatlich. Im Beispiel zahlt die Werkstatt im ersten Monat 22.000 Euro für Werkzeug, Einrichtung und Technik; auf dem Konto fehlt das Geld sofort, in der Rentabilitätsvorschau stehen nur 3.600 Euro Abschreibung pro Jahr. Die Wintermonate mit wenigen Reparaturen überbrückt die Reserve.
Wie planst Du Privatentnahmen und Steuern?
Führst Du ein Einzelunternehmen oder bist Du an einer Personengesellschaft beteiligt, zahlst Du Dir kein Gehalt. Du entnimmst Geld, und diese Privatentnahmen sind kein Aufwand. Daraus bezahlst Du Lebenshaltung, Kranken- und Pflegeversicherung und Altersvorsorge; die nötige Höhe ermittelst Du mit der Haushaltsrechnung. In einer GmbH ist das Gehalt der Geschäftsführung dagegen ein Aufwand der Gesellschaft.
In der Preiskalkulation setzt Du einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an, damit Deine Preise auch Deine eigene Arbeitszeit bezahlen. Bei den Steuern genügt ein grober, aber vollständiger Überblick:
- Einkommensteuer: Sie fällt auf Deinen Gewinn an. Das Finanzamt kann vierteljährliche Vorauszahlungen festsetzen (§ 37 EStG), anfangs auf Basis Deiner eigenen Schätzung. Nach dem ersten Steuerbescheid können Nachzahlung und höhere Vorauszahlungen zusammenfallen, deshalb legst Du monatlich eine Rücklage zurück.
- Umsatzsteuer: Sie ist kein Einkommen, deshalb planst Du Umsätze und Kosten in der Regel netto. Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG kannst Du nach den seit 2025 geltenden Grenzen nutzen, wenn der Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro beträgt. Für das Gründungsjahr gelten Besonderheiten.
- Gewerbesteuer: Sie betrifft Gewerbebetriebe, nicht freie Berufe. Die Höhe hängt vom Hebesatz Deiner Gemeinde ab. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften gibt es einen Freibetrag, und ein Teil wird auf die Einkommensteuer angerechnet.
Die fiktive Fahrradwerkstatt erzielt im ersten Jahr 30.000 Euro Gewinn vor Steuern. Davon gehen 24.000 Euro Privatentnahmen ab (2.000 Euro im Monat laut Haushaltsrechnung) und eine Rücklage für Einkommensteuer von angenommen 3.000 Euro. Es bleiben 3.000 Euro. Für die Tilgung des Darlehens reicht das nicht, deshalb ist im Beispiel ein tilgungsfreies erstes Jahr vereinbart. Ohne diese Vereinbarung müsste die Reserve einspringen.
Welche Fehler machen einen Finanzplan unglaubwürdig?
- Zu optimistische Umsätze: Volle Auslastung ab dem ersten Monat ist kaum erreichbar. Plane eine Anlaufkurve und begründe sie.
- Fehlende Anlaufverluste: Die ersten Monate kosten Geld, bevor genug Kundschaft da ist. Diese Verluste gehören in den Kapitalbedarf.
- Keine Reserve: Ohne Puffer bringt schon eine verspätete Zahlung oder eine Reparatur den Plan ins Wanken.
- Umsatzsteuer vergessen: Wer Bruttobeträge als Einnahmen plant, rechnet mit Geld, das dem Finanzamt zusteht.
- Privatentnahmen und Steuern fehlen: Ein Gewinn, der die Lebenshaltung nicht deckt, ist kein tragfähiges Ergebnis.
Bank und fachkundige Stelle achten vor allem auf Plausibilität. Begründe deshalb jede wichtige Annahme im Textteil und prüfe Deinen Plan vor dem Einreichen mit dieser Liste:
- Der Umsatz ist als Menge mal Preis hergeleitet und mit Deiner Kapazität vereinbar.
- Die Preise sind kalkuliert und mit dem Wettbewerb verglichen.
- Investitionen, Miete und Versicherungen sind mit Angeboten oder Verträgen belegt.
- Der Liquiditätsplan zeigt in keinem Monat einen negativen Kontostand.
- Die Privatentnahmen entsprechen Deiner Haushaltsrechnung.
- Die Zahlen im Textteil stimmen mit den Tabellen überein.
In der kostenlosen Businessplan Vorlage findest Du, welche Teilpläne als Anlage in Deinen Businessplan gehören.
Häufige Fragen
Für wie viele Jahre musst Du einen Finanzplan erstellen?
Üblich sind drei Jahre für Rentabilitätsvorschau und Finanzierung. Den Liquiditätsplan rechnest Du im ersten Jahr monatlich, manche Banken möchten auch das zweite Jahr monatlich oder quartalsweise sehen. Frag am besten bei der Stelle nach, bei der Du den Plan einreichst.
Planst Du im Finanzplan mit Brutto- oder Nettobeträgen?
Bist Du umsatzsteuerpflichtig, planst Du Umsätze und Kosten netto und bildest die Umsatzsteuer nur im Liquiditätsplan ab. Nutzt Du die Kleinunternehmerregelung, kannst Du keine Vorsteuer abziehen. Deine Kosten setzt Du dann einschließlich Umsatzsteuer an.
Brauchst Du für den Finanzplan eine Steuerberatung?
Vorgeschrieben ist das nicht. Steuerliche Werte bleiben aber Schätzungen, und eine Steuerberatung macht sie belastbarer, etwa bei Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Abschreibungen; später kann sie auch die laufende Buchhaltung übernehmen. Die Annahmen zu Umsatz und Kosten musst Du trotzdem selbst begründen können.
Reicht eine Excel-Tabelle als Finanzplan?
Ja, eine sauber aufgebaute Tabellenkalkulation reicht aus. Wichtig ist, dass die Teilpläne miteinander verknüpft sind, damit eine geänderte Annahme überall wirkt. Füge die Tabellen als PDF in dieselbe Datei wie Deinen Businessplan ein, damit die Formatierung erhalten bleibt.
Quellen und weiterführende Informationen
- § 7 EStG: Absetzung für Abnutzung (Abschreibung)
- § 37 EStG: Einkommensteuer-Vorauszahlung
- § 19 UStG: Kleinunternehmerregelung
- § 93 SGB III: Gründungszuschuss
- § 16c SGB II: Leistungen zur Eingliederung von Selbständigen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Förderinstitut im Einzelfall.