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Businessplan für eine Marketingagentur oder Social-Media-Agentur: Was Du zusätzlich planen musst

Ein Businessplan für eine Marketingagentur ist ein vollständiger Businessplan, der zusätzlich Leistungsportfolio, Erlösmodell, Kapazität mit oder ohne Freelancer und eine Kalkulation mit Tools und Software als festen Kosten zeigt. Weil Agenturen Zeit und Fachwissen verkaufen, hängt die Tragfähigkeit an Auslastung, Stundensatz und wiederkehrenden Aufträgen.

Aktualisiert am 8 Minuten LesezeitRedaktion Businessplan.JETZT

  • Ein Businessplan für eine Marketingagentur muss zeigen, mit welchem Erlösmodell Du planbare Umsätze erzielst, zum Beispiel mit monatlichen Pauschalen statt nur mit Einzelprojekten.
  • Software und Tools für Design, Planung, Analyse und Projektmanagement sind in einer Agentur feste monatliche Kosten und gehören vollständig in den Finanzplan.
  • Eine Marketingagentur, die selbstständige Designerinnen, Texter oder Fotografinnen beauftragt, muss in der Regel Künstlersozialabgabe auf deren Honorare zahlen.
  • Freelancer, die dauerhaft fast nur für eine Agentur arbeiten, deren Weisungen folgen und ins Team eingebunden sind, können als scheinselbstständig gelten.
  • Marketingagenturen sind in der Regel gewerblich tätig und melden ein Gewerbe an; im Einzelfall entscheidet das Finanzamt.

Wenn Du eine Agentur gründen willst, gilt die Grundstruktur aus der Anleitung Businessplan schreiben. Zusätzlich rücken einige Fragen nach vorn: Was bietest Du an, wie rechnest Du ab, wer erledigt die Arbeit bei vielen Aufträgen gleichzeitig, und wie hältst Du Kunden länger als ein Projekt?

  • Leistungsportfolio mit Spezialisierung nach Branche, Kanal oder Leistung
  • Erlösmodell je Leistung: Projekt, Monatspauschale oder Erfolgsbeteiligung
  • Kapazität in Stunden pro Monat, mit Freelancer-Netzwerk für Spitzen
  • Stundensatz mit realistischer Auslastung, Tools als Fixkosten
  • Künstlersozialabgabe, Verträge mit Freelancern und Nutzungsrechte
  • Umsatzanteil der größten Kunden und Plan gegen Abhängigkeit

„Wir machen alles rund um Marketing“ klingt verlockend, ist im Businessplan aber schwach. Eine Spezialisierung kann sich auf eine Branche beziehen (etwa Handwerksbetriebe oder Gastronomie), auf einen Kanal (Social Media, Suchmaschinen, E-Mail) oder auf eine Leistung (Content-Produktion, Kampagnensteuerung, Employer Branding). Sie macht Angebote vergleichbar, Prozesse wiederholbar und Referenzen überzeugender.

Beschreibe, welche Leistungen Du selbst erbringst, welche Du einkaufst und welche Du bewusst nicht anbietest. Vergleiche Dich in der Konkurrenzanalyse sachlich, auch mit Freelancern, Inhouse-Teams Deiner Zielkunden und Software, die Teile der Arbeit automatisiert.

Fiktives Beispiel: Spezialisierung einer Social-Media-Agentur

Wir betreuen die Social-Media-Kanäle von Handwerksbetrieben mit fünf bis 30 Beschäftigten in der Region. Schwerpunkt ist die Gewinnung von Auszubildenden über kurze Videos. Abgerechnet wird über eine Monatspauschale mit festem Umfang.

Wie Du abrechnest, bestimmt, wie planbar Dein Umsatz ist und wie viel Risiko Du trägst. Häufig ist eine Kombination sinnvoll, etwa ein Einstiegsprojekt, aus dem eine Monatspauschale wird.

Erlösmodelle für Agenturen im Vergleich
ModellSo funktioniert esVorteileNachteile
ProjektFestpreis für ein abgegrenztes Ergebnis, etwa eine KampagneKlarer Umfang, gut für Neukunden und ReferenzenUmsatz endet mit dem Projekt, Risiko bei unterschätztem Aufwand
Retainer (Monatspauschale)Fester Betrag pro Monat für einen definierten LeistungsumfangPlanbarer, wiederkehrender UmsatzOhne genaue Leistungsbeschreibung wächst der Aufwand unbezahlt
ErfolgsbeteiligungVergütung nach Ergebnissen wie Leads oder Umsatz, am besten zusätzlich zu einem GrundhonorarStarkes Verkaufsargument, Chance auf höhere ErlöseSchwer planbar, abhängig von Faktoren außerhalb Deiner Kontrolle
StundenabrechnungAbrechnung nach tatsächlich geleisteten StundenEinfach, kein Risiko bei MehraufwandKunden prüfen jede Stunde, effizientere Arbeit senkt Deinen Umsatz

Retainer kannst Du mit Laufzeit und Kündigungsfrist als wiederkehrende Umsätze planen, Projekte nur mit Annahmen zu Abschlussquote und Dauer. Erfolgsbeteiligungen setzt Du vorsichtig an oder lässt sie in der Grundplanung weg. Wie Du daraus Rentabilitäts- und Liquiditätsplan aufbaust, zeigt die Seite Finanzplan erstellen.

Dein nächster Schritt

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Eine Agentur kann nur so viel Umsatz machen, wie abrechenbare Stunden zur Verfügung stehen. Akquise, Angebote, interne Abstimmung, Buchhaltung und Weiterbildung kosten Zeit, die Dir niemand bezahlt. Plane deshalb zuerst Deine abrechenbaren Stunden pro Monat und leite daraus den Stundensatz ab.

Die Grundformel lautet: Mindeststundensatz = (Fixkosten + Unternehmerlohn) ÷ abrechenbare Stunden. Der Unternehmerlohn deckt Deine Lebenshaltung aus der Haushaltsrechnung, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und Steuern. Rechne zusätzlich einen Puffer für Leerlauf und Ausfälle ein. Zu den Fixkosten einer Agentur gehören vor allem:

  • Software und Tools: Design- und Schnittprogramme, Planungs- und Analysewerkzeuge, Projektmanagement, Cloud-Speicher
  • Lizenzen: Abonnements für Bilder, Musik und Schriften
  • Hardware: Rechner und Kamera mit Abschreibung
  • Laufende Kosten: Büro oder Coworking, Versicherungen, Steuerberatung, eigenes Marketing
Fiktive Beispielrechnung: Social-Media-Agentur mit Freelancer

Eine Gründerin plant monatlich 1.900 Euro Fixkosten (davon 600 Euro für Software und Tools) und 4.500 Euro Unternehmerlohn. Bei 80 abrechenbaren Stunden liegt ihr Mindeststundensatz ohne Puffer bei 6.400 Euro ÷ 80 Stunden = 80 Euro netto. Eine Monatspauschale mit 20 Stunden kostet 1.600 Euro, selbst betreuen kann sie also vier solcher Kunden. Einen fünften Kunden übernimmt ein Freelancer zu 50 Euro je Stunde: Nach 1.000 Euro Fremdkosten und drei eigenen Stunden für Briefing und Abnahme (240 Euro) bleiben 360 Euro, und diese drei Stunden fehlen ihr bei der eigenen Kundenarbeit.

Unternehmen, die Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit für Dritte betreiben, gehören nach § 24 Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) zu den abgabepflichtigen Unternehmen. Beauftragst Du selbstständige Designerinnen, Texter, Fotografinnen oder andere künstlerisch oder publizistisch Tätige, zahlst Du auf deren Honorare Künstlersozialabgabe an die Künstlersozialkasse. Das gilt unabhängig davon, ob die Beauftragten selbst dort versichert sind.

Die gezahlten Honorare meldest Du einmal jährlich an die Künstlersozialkasse, und der Abgabesatz wird jedes Jahr neu festgelegt. Plane die Abgabe als Aufschlag auf alle Honorare dieser Art ein, damit sie Deine Marge nicht unbemerkt schmälert.

Arbeitet ein fester Freelancer dauerhaft fast nur für Dich, nach Deinen Weisungen und eingebunden in Dein Team, sind das nach § 7 Abs. 1 SGB IV Anhaltspunkte für eine Beschäftigung. Dann kann die Agentur Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen müssen. Vor einer längeren Zusammenarbeit kannst Du ein Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beantragen.

  1. Mehrere Partner je Leistung

    Arbeite mit mehreren Freelancern je Leistung, damit Du nicht von einer Person abhängst.

  2. Schriftliche Verträge

    Regle Leistung, Honorar, Termine, Vertraulichkeit und die Übertragung der Nutzungsrechte vor Projektbeginn.

  3. Selbstständigkeit ermöglichen

    Vergib Aufträge nach Ergebnis statt nach Arbeitszeit, und lass Freelancer mit eigener Ausstattung und für weitere Auftraggeber arbeiten.

  4. Kosten einplanen

    Plane Honorare als variable Kosten je Auftrag und schlage die Künstlersozialabgabe auf, wo sie anfällt.

Texte, Bilder, Videos und Designs sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Du kannst Deinen Kunden nur die Nutzungsrechte einräumen, die Du selbst von Freelancern oder Lizenzgebern erhalten hast. Halte deshalb fest, wer welche Rechte für welchen Zweck, welches Gebiet und welchen Zeitraum bekommt.

Haftungsfragen entstehen etwa bei fehlerhaften Anzeigen, unzulässigen Werbeaussagen oder fremden Bildrechten. Begrenze Deine Haftung in Verträgen, soweit das rechtlich zulässig ist, und prüfe eine Vermögensschadenhaftpflicht für Agenturen. Lass Deine Vertragsmuster einmal von einer Rechtsberatung prüfen und plane die Kosten im Gründungsaufwand ein.

Marketingagenturen sind in der Regel gewerblich tätig, weil Werbung für Dritte nicht zu den in § 18 EStG genannten freien Berufen gehört; Du meldest also ein Gewerbe an und wirst Mitglied der IHK. Im Einzelfall entscheidet das Finanzamt, etwa wenn Du überwiegend selbst künstlerisch gestaltest. Eine GmbH oder UG gilt immer als Gewerbebetrieb (§ 2 Abs. 2 GewStG).

Für eine Agentur ist die eigene Vermarktung zugleich Arbeitsprobe. Interessenten achten darauf, ob Du für Dich selbst umsetzt, was Du anderen verkaufst.

  • Referenzen: Erste Projekte für Bekannte, Vereine oder frühere Arbeitgeber, mit Erlaubnis zur Nennung.
  • Case Studies: Ausgangslage, Vorgehen und messbares Ergebnis eines Projekts, vom Kunden freigegeben.
  • Empfehlungen: Nach Projektabschluss gezielt erfragen und mit Partnern wie Webentwicklern, Fotografen oder Druckereien austauschen.
  • Eigene Kanäle: Fachbeiträge, Newsletter und Social-Media-Auftritt, die Deine Spezialisierung zeigen.

Ein großer Auftraggeber zu Beginn ist eine gute Nachricht, aber ein Risiko: Kündigt er, fehlt viel Umsatz, während die Fixkosten weiterlaufen. Zeige deshalb, wie hoch der Umsatzanteil Deiner größten Kunden ist und wie Du ihn senkst. In der kostenlosen Businessplan Vorlage hat dieser Punkt im Kapitel zur Absicherung von Risiken seinen festen Platz.

Wie viel Startkapital braucht eine Marketingagentur?

Eine allgemeingültige Summe gibt es nicht, sie hängt davon ab, ob Du allein von zu Hause startest oder mit Büro und Team. Neben Hardware und Software brauchst Du Liquidität für die ersten Monate, weil Rechnungen erst nach der Leistung bezahlt werden. Vereinbare bei Projekten Anzahlungen.

Kann ich für eine Agenturgründung den Gründungszuschuss bekommen?

Ja, das ist möglich, wenn Du Arbeitslosengeld beziehst, bei Aufnahme der Selbstständigkeit noch mindestens 150 Tage Restanspruch hast und hauptberuflich gründest. Die Agentur für Arbeit entscheidet nach Ermessen und verlangt unter anderem die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit; den Antrag stellst Du vor dem Start. Details erklärt die Seite Businessplan für den Gründungszuschuss; beim Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) kommt Einstiegsgeld in Frage.

Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung für eine Agentur?

Meist nicht, wenn Du vor allem Firmenkunden betreust, weil diese die Umsatzsteuer in der Regel als Vorsteuer abziehen und Du selbst auf die Vorsteuer aus Deinen Ausgaben verzichtest. Nutzbar ist sie nach § 19 UStG, wenn der Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro beträgt; für das Gründungsjahr gelten Besonderheiten. Schon wenige Monatspauschalen können 25.000 Euro im Jahr überschreiten.

Sollte ich mit Freelancern oder mit Angestellten starten?

Für den Start sind Freelancer meist flexibler, weil Kosten nur bei Aufträgen entstehen. Brauchst Du dauerhaft eine Person, die fest in Deine Abläufe eingebunden ist, ist eine Anstellung oft die rechtlich sicherere Wahl. Zeige im Businessplan, ab welchem Umsatz oder welcher Auslastung Du die erste Stelle schaffst.

Brauche ich mit jedem Kunden einen schriftlichen Vertrag?

Ein schriftlicher Vertrag ist nicht in jedem Fall vorgeschrieben, aber dringend zu empfehlen. Er regelt Leistungsumfang, Abnahme, Vergütung, Laufzeit, Kündigung und Nutzungsrechte und vermeidet Streit über Zusatzleistungen. Bei Retainern verhindert eine genaue Beschreibung des monatlichen Umfangs ungeplante Mehrarbeit.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Über Förderungen entscheiden Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Förderinstitut im Einzelfall.

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